Sometimes I can't find my good habits.

Ich höre neulich Musik und verliere meine guten Vorsätze. Ein stetiger Verlauf dessen, was jeden modernen Menschen davon abhält, so großartig zu sein, wie sein aufgeblasenes Ego es ihn träumen lässt.

Es scheint ein ganz natürlicher Prozess zu sein und ich habe mit der wiederkehrenden Feststellung zu kämpfen, die sich häufig bis selten in meine Gedankenwelt einschleicht: ich hab das nicht raus, das mit dem Einhalten der guten Vorsätze. Irgendwie kommt mir mein wasauchimmer immer wieder in den Weg. „Wasauchimmer“ deshalb, weil wüsste ich, was mir in den Weg kommt, so kämen mir doch sicherlich konkrete Beseitigungsstrategien in den Sinn. Oder nicht? Mein wasauchimmer ist wahrscheinlich auch nur eine gewollte Umformulierung des volkstümlich gebräuchlichen Schweinhundes. Aber da fängt es ja schon an: bloß nicht sein, wie alle. Bloß nicht das gleiche Problem ansprechen, bloß lieber individuell als mainstream! Und ihhh, mainstream! Was für ein Wort, ihhh, mainstream!!! Ich schwimme zwar gerne, aber natürlich nicht in ihm, dem Hauptstrom, dem Mainstream. Und schon gar nicht jetzt, schon gar nicht hier. 

Good Habit: Traveling. Hier auf Island.
©Hanne Frommann

Ich habe so viel schlechtes Gewissen. So viel schlechtes Gewissen, dass ich vor lauter Gewissen zu vergessen scheine, dass ich niemandem so viel Schaden antue, der ein solches Ausmaß an schlechtem Gewissen rechtfertigen würde. Nicht einmal mir selbst. Und weil das mit dem schlechten Gewissen mir zu Schaden kommt, fang ich häufig, immer wieder aufs Neue scheinend, an, mir Gedanken darüber zu machen. Darüber, wie ich das ändern könnte. Mit dem schlechten Gewissen und dem Schaden. An dieser Stelle möchte ich gerne einen Disclaimer einbauen: ich werde wahrscheinlich nichts neues in diesem Artikel ansprechen. Nichts, was nicht auch Selbsthilfegruppen, Motivation-Gurus oder auch einfach nur gute Freunde oder gerne auch Eltern schon unzählige Male in dein Gehirn gepflanzt haben und teilweise wahrscheinlich auch noch effektiver und irgendwie besser erklärt. Aber darum geht es ja gar nicht. Wenn wir nochmal kurz auf das Thema schlechtes Gewissen zu sprechen kommen: ich habe hierbei keins und lasse mir auch keins geben! (Ich schenke sowieso viel lieber und deshalb nun auch dir, lieber Leser und auch LeserIN, ein Paket von dem besagtem Tritt in den Arsch). Bleibe bei mir und lese Folgendes:

Tu es, tu es, tu es, now und jetzt, bitte und sag dann danke! Danke an den grandiosen Ratschlag, der manchmal in meinem und so vielen anderen Köpfen herumschleicht. Und da auch seine gute Berechtigung hat. 

„Ich würde ja sooooo gerne mit Thorben schlafen, aber irgendwie kam noch nicht der richtige Moment“, kaut Susie mir das Ohr ab. Dann tu es einfach mal, Susie, liebe Susie, tu es einfach mal. Niemand hält dir deine Hand und schmiert dir noch ne Stulle für den Weg zur Entscheidung. Auch nicht im Bett mit Thorben. Aber ja vielleicht Thorben. Vielleicht aber auch nicht, aber dann war der Sex wenigstens gut. 

Das ist nicht im Allgemeinen und immer und überall zu verstehen und das glaube ich, wissen die meisten auch. Es gibt Lebensentscheidungen, die sind zu durchdenken und das tu ich auch und tust du auch und das ist auch gut so. Ob man allerdings mehr Sport treiben sollte, weil man merkt, dass es einem gut tun würde, gehört nicht zu solchen Entscheidungen und das weißt du und dein wasauchimmer nur zu gut. Aber gut, dass es Gewohnheiten gibt. Habits kommen in solchen Situationen ganz gut, dann muss man nämlich gar nicht nachdenken, sondern einfach machen. Man muss sie erstmal formen, aber dann nur noch nach ihnen handeln. Tut ganz gut. So wie dieser Artikel.

Klar, Susie, du kannst nicht einfach mit Thorben schlafen, da gibt es immerhin zwei Parteien, die das zu entscheiden haben.

Er ist keineswegs was neues, für mich nicht und für jeden da draußen auch nicht. Und trotzdem mache ich das hier, das Aufschreiben. Als kleine Erinnerung, dass es meistens viel einfacher ist, als man es sich macht oder eingestehen möchte. Und dass es einen Grund dafür gibt, warum man oft nicht das tut, von dem man eigentlich weiß, dass es das Richtige wäre, stimmt meistens auch. 

Klar, Susie, du kannst nicht einfach mit Thorben schlafen, da gibt es immerhin zwei Parteien, die das zu entscheiden haben. Und deshalb fand das ja auch noch nicht statt, du müsstest nämlich was initiieren und damit schaffst du Angriffsfläche. Du als Angriffsfläche wärst die, die verletzt werden könnte. Nicht Thorben, der kann nämlich einfach „nein“ sagen und gehen. Und dann stehst du doof da und wünschtest, du hättest nichts gesagt. WRONG! Stell dir mal vor, du hättest nichts gesagt. Dann bestünde nämlich nicht einmal die Chance, Thorben könne „ja“ sagen. Und somit wäre die Option, von der du dir erhoffst, sie trete ein, keine mehr, keine Option mehr.

Es gibt natürlich auch noch Option C: Thorben fragt dich. Aber das wäre ja the easy way out und dass das Leben nach diesem Prinzip funktioniert, wird dir noch nicht einmal dein Lebensratgeber sagen, der auf deinem Nachttisch verstaubt.

Das war es eigentlich von meiner Seite auch schon. Die Message des Tages: mach mal! (Ich habe mit Absicht den ganzen Artikel über keinerlei Anspielungen auf den Werbeslogan einer trendy Sportmarke gemacht. Aber nimm dir das Logo gerne und benutze es zum Abhaken deiner To-Do-Liste).

Ich nehme dir eine Denkaufgabe ab: es gibt immer mehr Gründe dafür, als dagegen. You know it.

MeinungHanneneuComment