Behörden

Ich war heute in einer Behörde. Hier kommt meine Meinung über Behörden: 

Es gibt nichts, was einem mehr den Tag vermiesen kann, als ein Behördengang, der scheiße war. Es gibt demnach allerdings auch nichts Besseres, als ein Behördengang, der so richtig erfolgreich war. Heute, beispielsweise, war es bei mir Letzteres, was mir jedoch nicht die Stimmung nimmt, auch ein wenig Hass durch diesen Text zu versprühen.

Hässlich, weil schön ist definitiv was anderes.

Seit einer Weile arbeite ich nun in einem italienischen Feinkostladen und obwohl ich es schon vom ersten Tag an vermutet habe, lief mit dem ganzen Anmeldekram und whatnot nicht alles astrein über die Bühne. Bei offiziellem Kram bin ich immer die Blöde, der noch irgendein Schein, Papier, Bestätigung fehlt. Irgendwas. Immer. Diesmal war es die Rote Karte, mit der ich verspreche, meine triefenden Eiterwunden nicht in die Antipastischalen zu halten und mit Bauchkrämpfen dem Kunden nicht auf sein 10-Euro-Schinken zu kotzen.
Ich verspreche es! Ich verspreche es! Doch bitte bitte bitte schickt mich nicht zu irgendeiner Behörde! Bitte! Ungefähr das hätte ich meiner neuen Arbeitgeberin gerne gesagt, doch sie hörte die Schreie meiner Gedanken nicht. Ich kann mich kontrollieren. Mein Wunsch wurde nicht erhört. Ich musste zu einer Behörde.

8.00 Uhr Montagmorgen — ich schwänze den einzigen Kurs , der mich momentan überhaupt noch motiviert, mir die Flure der Uni von innen anzuschauen: Español. (Wie sich später herausstellt, sollte heute ein guter Tag sein und der Kurs entfiel, doch zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von meinem Glück). Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass es kein guter Tag war, im Wedding herumzulaufen. Der Wedding ist trüb und trübes Winterwetter, macht die Situation um einiges schlimmer. Um einiges! Ich trug dick roten Lippenstift auf, um mich schöner zu fühlen, als das graue Gebäude, das mich und meine Laune erwartete. Meine Laune war schlecht. 

Ich verlies das Haus und entschloss mich, die zwei Tram-Stationen zu laufen. So umging ich wenigstens dem Anblick der verzweifelten Mütter, die ihre Kinder nicht im Griff hatten und den depressiven Blicken der Büro-Männer, die allesamt wie die grauen Männer aus Momo aussehen. Oder am besten noch die Menschen, die das selbe Ziel wie ich hatten und denen man vermutlich ihre Laune genauso ansehen konnte, wie mir. Oder am schlimmsten: Die Leute, die das meinige Ziel hatten, dies jedoch jeden Tag. Die Leute, die in einer Behörde arbeiten. Ich bemitleide euch. Zutiefst!
Ich konzentrierte mich auf den Bürgersteig. Profilaxe. Das, was ich zu dem Zeitpunkt am aller wenigsten gebrauchen konnte, war, in einen dicken Hundehaufen zu steigen. Obwohl es meinem Zielort nur recht geschehen wäre. Als ich in die Straße einbog, in dem der Klotz von Gebäude stand, musste ich fast ein bisschen schmunzeln. Ich, hier. WHY? 

Definitiv not the place to be

Draußen begegnete ich drei Frauen, die aus der Dauerwelle der 80er nie herausgewachsen waren, bzw. bei denen die Dauerwellen nie herausgewachsen waren. Ich habe nie in den 80ern gelebt, aber so sahen die damals aus, bestimmt! Fingernägel: pink lackiert, lang, mit Kippe, of course. Meine Gedanken füllten sich mit unberechtigtem Hass, dessen Quelle einzig und allein die Tatsache war, dass ich gleich eine Nummer ziehen musste und in einem der hässlichen Plastikschalensitze solange sitzen muss, bis mein Popo so richtig anfängt wehzutun. Ein bisschen so, wie in zu langen Vorlesungen. Es war alles in allem eine trostlose Angelegenheit. Das Innere erfüllte zu mehr als hundert Prozent meine Erwartungen. Es sah so unendlich elend aus. Elend. Ich folgte einer Frau in den ersten Stock und fragte mich, wo die Menschenmassen waren, die mich in sonst jeder Behörde, in der ich in der Vergangenheit war, regelrecht erdrückt und deprimiert hatten. Die Leere tat dem Ambiente des Gebäudes jedenfalls trotzdem nicht gut. In der “Wartehalle” (mickrig klein, wirklich mickrig klein) angekommen, drückte ich schnell auf einen Knopf und zog die Nummer 518. Es dauerte keine fünf Sekunden, da war ich auch schon dran. So ganz konnte ich mein Glück zu dem Zeitpunkt noch nicht fassen, es ging alles zu schnell. Literally. 

Selbst die Eisbären freuten sich für mich. Bildete ich mir wenigstens ein. 

Tisch 2 war mein Ziel und mich begrüßte freundlich — freundlich! — eine Dame in knallpinker Jeans. Einmal Perso, einmal 20 Euro, einmal Unterschrift, einmal wieder raus. So schnell ging das, no lie! Einmal geblinzelt und schon saß ich wieder in dem Plastiksitz und wartete auf eine Dame, die mich abholen und mir ein Film über Hygienevorschriften zeigen sollte.
Wenigstens die sollte sich an das ungeschriebene Gesetz einer jeden Behörde halten und mich mindestens 30 Minuten hier warten lassen, dachte ich vor mich hin, als ich auch schon aufgerufen wurde. Ich plauderte noch nett mit einer alten Dame, die in einem Altersheim kochte und ihre Rote Karte verloren hatte. Und selbst ihre Berliner Schnauze konnte mir in diesem Moment nicht die Laune verderben. Tür auf, Film an, Film fertig, Rote Karte in der Hand, umdrehen und rausgehen. Fertig. 

Ich war wie beflügelt. Ich hatte gerade ernsthaft binnen 20 Minuten einen Behördengang hinter mich gebracht! Das Leben meinte es heute gut mit mir und ich ging erstmal in ein Café und trank einen Soja Milchkaffee. Das macht man so in Berlin.

Wohlverdient und schön- im Unicorn!

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