Abstrakte Liebe

Sie, der Schatten, der sich immer genau dann ins Rampenlicht stellt, wenn eigentlich gerade ich da stehe. Sie, als Schatten, obwohl sie ganz genau weiß, dass sie glänzt. 

Oh, ups, hab ich dich im Vorbeigehen gepikst?

JA! gestochen, fast erstochen, mit deinen messerscharfen Hüften und einem Strang von unwissender Schönheit, der sich jedes Mal heimlich um meinen Hals schmiegt, schnürt und es mir unmöglich macht, verständliche Gedanken auszusprechen. So grinse ich, aber ich hoffe, du spürst den Hauch meiner kühlen Seite, denn extra für dich suche ich manchmal nach ihr. Lach nicht so blöd, ich werde eifersüchtig! 

Hach, klar, es ist ganz lustig, ganz ausgelassen dieser Abend, bis ein Weinglas zu viel unsere Münder berührt und zwei Stunden zu lange meine Höflichkeit den Stock in meinem Arsch aufrecht erhält. Aber tanzen kann ich immer, sieh nur. Abstrakte Liebe.

Ich bin von 14 an jedes Alter meiner Selbst und geballt kommen alle Krisen zum Vorschein wenn ich sehe, wie das alles wieder von vorne losgeht. Und ich dachte, wir wären erwachsen. Oder wenigstens ich, für mich. GEwachsen, so scheint es, aber ERwachsen hat mit ihm nichts zu tun- das murmle ich vor mich hin, unterbrochen durch den Zug an einer Zigarette von ihr. Nicht von mir. Von mir kommt nichts, von ihm kommt viel für sie. Abstrakte Liebe.

Ich kann den Dunst unausgesprochener Gedanken nicht mehr ertragen. So gerne würde ich nach ihnen greifen und sehen, wie sie mir selber und uns allen an den Köpfen zerschellen. Stattdessen umweben sie diese nur und alles ist so weich und anschmiegsam und glatt.
Sie gleitet durch den Raum, geschützt von Anspielungen und dem Bausch an gespieltem Selbstvertrauen. Jeder sieht, dass sie unsicher ist und plötzlich rückt sie noch ein Stück ferner, unnahbar, unantastbar, oh bitte, Hollywood ist im Süden, noch weiter als hier. Abstrakte Liebe.

Hanneganz neuComment