selten so schön

Sie fühlte sich selten so schön. Und nun war sie auch noch in einem Regenmantel. Gut, der Regenmantel war ziemlich prestige, ziemlich schön. Doch nun fühlte auch sie sich schön. Verrückte Welt. 

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Sie wartet auf ihren Milchkaffee. 

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Sie war gerade in einem sehr künstlerischen Film und nun ist sie plötzlich ganz aufmerksam. Aufmerksam auf die Situationen, die Atemzüge ihres Sitznachbarn in der U-Bahn, die Fragen ihrer Gedanken und nun auch auf ihre eigene Schönheit. Sie lässt ihre Lippen behutsam an der Porzelantasse nippen und legt majestätisch ihren Blick auf die schwungvollen roten Lippen, die sich am Rand ihrer Kaffeetasse abgepaust haben. Gerade eben saß sie noch in der U-Bahn, ihre Beine fest und stolz im Boden verankert. Nun sitzt sie neben ihrer Selbt in Gedanken im Café´, in Wirklichkeit auch. Für den Moment, in dem sie lebt, hat sie großen Respekt, denn ein zweiter und dritter, wie dieser erste , kommt selten bis nie. Eigentlich nie. 

© Hanne Frommann

© Hanne Frommann

Sie steckt fest in einer Welt voller französischer Glatzköpfe und abstrakter Depressionen. Ungern kommt sie bewusst in die aktuelle Welt zurück und so bleibt sie noch ein bisschen hier. 

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Hier kommt nun der Bärtige mit Fragen herein und setzt sich zu ihr. Er ist geradeso fünf Jahre älter und seine Fragen sind klug und schön. Er auch. 
Hier will er wissen, was sie denkt und ignoriert, dass sie sich nicht richtig ausdrücken kann. Und erklärt ihr ihre Gedanken. 
Hier sitzt sie und versteht. Und hier geht sie auf's Klo und zieht ihren Lidstrich nach und den Lippenstift. Und hier küsst sie diesen Mund zwischen Bart und ihren Lippenstift wieder weg. Selbst als sie wieder dort ist, in der aktuellen Welt. 

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